Case | Projekt PERIPHER
Wenn Sichtbarkeit fehlt, bleibt Wirkung aus
Das Projekt PERIPHER
Es gibt Projekte, bei denen die Herausforderung nicht darin liegt, Inhalte zu entwickeln, sondern darin, ihnen überhaupt einen Ort zu geben, an dem sie gesehen werden können.
PERIPHER war genau so ein Projekt.
Die inhaltliche Tiefe war von Anfang an da – empirisch fundiert, theoretisch sauber, politisch hoch relevant. Es ging um nichts Geringeres als die Frage, was passiert, wenn Kommunen ihre Handlungsfähigkeit verlieren – und was das langfristig mit Demokratie macht. Die Zusammenhänge sind klar beschrieben: schwindende Gestaltungsspielräume, Frust vor Ort, wachsende Entfremdung zwischen Bevölkerung und politischen Ebenen.
Und trotzdem: Diese Inhalte hatten kaum Öffentlichkeit.
Das eigentliche Problem lag nicht im Inhalt
Nicht, weil die Inhalte zu komplex gewesen wären. Sondern weil ihnen ein Resonanzraum fehlte.
Im Verlauf der Zusammenarbeit wurde deutlich, dass es sich nicht um ein klassisches Kommunikationsproblem handelte. Es war ein strukturelles Unsichtbarkeitsproblem. Die Themen, um die es ging – strukturelle Benachteiligung, fehlende Anerkennung, mangelnde Selbstwirksamkeit – spiegelten sich paradoxerweise auch in der Art und Weise wider, wie über sie gesprochen wurde: zurückhaltend, fragmentiert, oft innerhalb geschlossener Fachkontexte.
Die Forschung selbst zeigt: Fehlende Sichtbarkeit ist Teil des Problems. Strukturell benachteiligte Kommunen sind unterrepräsentiert – in Debatten, in Daten, in politischen Entscheidungsräumen. Was nicht sichtbar ist, wird schwer verhandelbar. Und was nicht verhandelbar ist, bleibt folgenlos.
Der strategische Hebel: Sichtbarkeit als Voraussetzung für Wirkung
In diesem Spannungsfeld lag der entscheidende Hebel: nicht mehr Inhalte zu produzieren, sondern Sichtbarkeit systematisch herzustellen.
Das bedeutete, Kommunikation nicht als nachgelagerten Schritt zu denken, sondern als integralen Bestandteil des Projekts selbst – als Voraussetzung dafür, dass die vorhandenen Erkenntnisse überhaupt anschlussfähig werden können.
Übersetzung in eine tragfähige Kommunikationsstruktur
Der erste Schritt war, überhaupt eine Infrastruktur zu schaffen, die es zuvor nicht gab.
Aufbau der Social-Media-Kanäle (Instagram, Facebook, LinkedIn) als differenzierte Zugänge zu verschiedenen Öffentlichkeiten
Weiterentwicklung der Website als zentraler Ort für Einordnung und Verdichtung
Entwicklung einer klaren Brand Voice, die wissenschaftliche Tiefe zugänglich macht, ohne sie zu vereinfachen
Konzeption eines Content-Plans, der nicht nur Themen verteilt, sondern Zusammenhänge sichtbar macht
Etablierung einer verlässlichen Posting-Routine mit klarem Freigabeprozess
Überführung in ein Social-Media-Management-Tool, um Kontinuität sicherzustellen
Ergänzt wurde diese Struktur durch eine inhaltliche Erweiterung in Richtung Bewegtbild:
Mitwirkung an Storyboard und Briefing für kommunale Portraits und Bürgermeister:innen-Stimmen (in Zusammenarbeit mit Javier Sobremazas)
Begleitung und Durchführung von Interviews im Rahmen der Konferenz – mit Vertreter:innen aus Ministerien, Bundestag und Projektkontext
Integration der Videoformate in den Content-Plan, um Perspektiven und Stimmen langfristig sichtbar zu machen
Was hier entstanden ist, ist weniger ein Kanal-Setup als eine belastbare Kommunikationsarchitektur, die unterschiedliche Formate miteinander verbindet.
Ein Moment der Verdichtung: die Konferenz im März
Die Konferenz am 11. März in Berlin hat einen wichtigen Wendepunkt markiert. Hier wurde sichtbar, wie viel Energie, Wissen und Dringlichkeit im Projekt steckt – und gleichzeitig, wie flüchtig solche Momente sind, wenn sie nicht übersetzt werden.
Unsere Rolle war es, genau das zu leisten:
Live-Kommunikation vor Ort, die Inhalte in Echtzeit einordnet und zugänglich macht
Nachgelagerte Aufbereitung für Website und Social Media
Verdichtung zentraler Ergebnisse in Formaten wie
Policy Paper
Ergebnisse-Handout
So wurde aus einem einmaligen Ereignis eine anschlussfähige Erzählung – ergänzt durch Stimmen, Perspektiven und visuelle Formate, die über den Moment hinaus wirken.
Konsistenz als leiser, aber entscheidender Faktor
Ergänzt wurde diese Arbeit durch gestalterische Elemente, die oft unterschätzt werden, aber eine klare Funktion erfüllen:
Paneele / Pressewand für öffentliche Sichtbarkeit
Präsentationsvorlagen für alle Projektpartner*innen zur Sicherstellung eines einheitlichen Auftritts
Give-aways (z. B. Samenpapier, Blöcke) als physische Verlängerung der Projektidee
Begleitende Pressearbeit im Vorfeld
Diese Elemente wirken nicht spektakulär, aber sie schaffen Kohärenz. Und Kohärenz ist die Voraussetzung dafür, dass Inhalte ernst genommen werden.
Was sich dadurch verändert hat
Die Veränderung zeigt sich weniger in einzelnen Kennzahlen als in einer Verschiebung der Wahrnehmung. Die Themen sind anschlussfähiger geworden. Sie bewegen sich nicht mehr ausschließlich im Kreis von Expert:innen, sondern erreichen unterschiedliche Öffentlichkeiten – auch über visuelle und persönliche Zugänge wie die kommunalen Portraits und Interviews.
Die Inhalte stehen nicht mehr nebeneinander, sondern ergeben ein Narrativ. Und das Projekt tritt klarer als das auf, was es ist: kein isoliertes Forschungsvorhaben, sondern ein Beitrag zu einer gesellschaftlich zentralen Frage.
Denn letztlich geht es bei PERIPHER nicht nur um kommunale Strukturen. Es geht um die Bedingungen, unter denen Menschen das Gefühl haben, gehört zu werden, wirken zu können und Teil eines funktionierenden Gemeinwesens zu sein.
Sichtbarkeit ist keine Kommunikationsdisziplin
Sichtbarkeit ist hier kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Erkenntnisse überhaupt wirksam werden können. Oder anders gesagt: Sichtbarkeit ist in diesem Kontext keine Frage von Kommunikation – sondern eine Frage demokratischer Realität.
